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Web Accessibility in Europa

Wie Menschen mit Behinderungen im Web arbeiten

Evaluierungsmethode

Validierungsschemata und Gütesiegel

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Web Accessibility in Europa

Haftungsausschluss

Bevor Sie dieses Curriculum benutzen, lesen Sie bitte sorgfältig den Haftungsausschluss.

Übersicht

Einleitung

Die Entwicklung des World Wide Web begann im Jahre 1989. Zu Beginn ein rein text-basiertes Medium, begann das Web auch bald andere Medientypen (wie z.B. Grafiken, Videos, Animationen) zu unterstützen. Das World Wide Web ist zu einem der oder sogar zu dem wichtigsten Informationssystem weltweit gewachsen, das von tausenden Menschen in ihrem täglichen Leben benutzt wird. Um die Integration von Menschen mit Behinderungen sicherzustellen, wurde Standards und Richtlinien definiert. Diese sollen zu einem Web führen, das besser zugänglich für jedermann ist - der Begriff "Web Accessibility" war geboren.

Ziele

Der Leser / die Leserin dieses Module bekommt einen Überblick über die Geschichte und die aktuellen Entwicklungen im Bereich Web Accessibility in Europa. Er / Sie wird von den Anfängen des World Wide Web erfahren, die Aktivitäten des World Wide Web Konsortiums ([W3C]) kennen lernen und Informationen über die aktuellen Entwicklungen in den europäischen Mitgliedsstaaten und die Richtungen, die die Initiativen eEurope 2002 ([EEUROPE-2002]), eEurope 2005 ([EEUROPE-2005]) und i2010: European Information Society 2010 ([I-2010]) vorgeben, erhalten.

Inhalte

Geschichtlicher Überblick

Der Erfolg des World Wide Web begann im Jahr 1989 mit dem Artikel "Information Management: A Proposal", geschrieben von Tim Berners-Lee und am Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire ([CERN]), der europäischen Organisation für nukleare Forschung, zur Kommentierung veröffentlicht. Zwei Jahre später, 1991, wurde das World Wide Web auf den zentralen Rechnern von CERN freigegeben. Nochmals zwei Jahre später, am 30. April 1993, erklärte der Direktor von CERN, dass die Technologie des WWW von jedermann frei genutzt werden könne, ohne an CERN Gebühren entrichten zu müssen.

Das World Wide Web war zu Beginn ein rein text-basiertes Medium, das hauptsächlich von Forschern und Wissenschaftern genutzt wurde. Als jedoch sein Einsatz als kommerzielle Plattform begann, wurden Design und graphische Darstellung immer wichtiger. Während dieses Prozesses wurde jedoch von den meisten Webdesignern und -entwicklern verabsäumt, den "Design for All"-Ansatz zu verfolgen. Aus diesem Grund wurde das Web für Menschen mit Behinderungen immer schlechter zugänglich oder sogar unnutzbar.

W3C, WAI and WCAG

Anmerkung: Die in diesem Kapitel enthaltene Information wurde der Website des W3C ([W3C]) entnommen, worauf wir auch für weitere Details verweisen.

World Wide Web Consortium

1994 gründeten Tim Berners-Lee und andere das W3C als ein Industrie-Konsortium, das einen Konsens im Bereich Web-Technologien finden sollte. Ziel des W3C ist es, das World Wide Web zu seinem vollen Potential zu führen, indem das Konsortium Protokolle und Richtlinien entwickelt, die ein Wachstum des Web auch auf lange Sicht sichern sollten.

Die Arbeit des W3C gliedert sich in vier Bereiche:

Jeder dieser vier Bereiche enthält verschiedene W3C Aktivitäten, die im Allgemeinen in Gruppen organisiert sind:

Die Gruppen, die aus Teilnehmern / Teilnehmerinnen der Mitgliedsorganisationen, dem W3C Team und eingeladenen Experten / Expertinnen bestehen, produzieren die Ergebnisse des W3C: technische Berichte, Webstandards und Richtlinien, open source Software und Dienste (z.B. Validierungsservice). Weiters sorgen diese Gruppen für entsprechende Koordination mit anderen Standardisierungsorganisationen und technischen Gemeinschaften.

Web Accessibility Iniative

Der vierte Bereich der Arbeit des W3C, Web Accessibility, wird von der W3C Web Accessibility Initiative ([WAI]) abgedeckt, die erstmals im Mai 1997 zusammentraf. Das Ziel der WAI ist es, Strategien, Richtlinien und Ressourcen zu entwicklen, um das Web auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich zu machen. Dies drückt auch der folgende bekannte Satz von Tim Berners-Lee aus:

The power of the Web is in its universality. Access by everyone regardless of disability is an essential aspect.
(Die Stärke des Web liegt in seiner Universalität. Zugang für jedermann unabhängig von einer Behinderung ist ein essentieller Aspekt.)

In Partnerschaft mit Organisationen auf der ganzen Welt fordert die WAI die Zugänglichkeit des Web durch fünf Hauptaktivitäten:

Web Content Accessibility Guidelines

Wie bereits erwähnt ist eine der Aufgaben der WAI die Entwicklung von Richtlinien für Webinhalte: die Web Content Accessibility Guidelines (Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte). Die zurzeit von WAI empfohlene Version ist Version 1.0, welche am 5. Mai 1999 herausgegeben wurde. Die Web Content Accessibility Guidelines 1.0 ([WCAG-1.0]), die aus 14 Richtlinien und 65 Checkpunkten bestehen, haben zwei allgemeine Themen zum Inhalt:

Die Web Content Accessibility Guidelines 2.0 ([WCAG-2.0]) sind noch in Entwicklung und nur als Arbeitsversion vom 23. November 2005 verfügbar. Diese Arbeitsversion ist in 4 Hauptprinzipien gegliedert, die 13 Richtlinien enthalten, die wiederum in mehrere Erfolgskriterien geteilt sind.

Entwicklung und Aktivitäten in Europa

Anmerkung: die in diesem Kapitel enthaltene Information wurde der Website der Europäischen Union ([EU]) entnommen, worauf wir auch für weitere Details verweisen.

Überblick

8. Dezember 1999
Die Europäische Kommission startet die Initiative eEurope durch Veröffentlichung einer Kommunikation über eine Initiative für das europäische Ratstreffen in Lissabon am 23. und 24. März 2000: e-Europe - An Information Society For All ([EEUROPE])
(Dokumentennummer: COM(1999) 687)
19.-20. Juni 2000
Während des Ratstreffens in Feira einigen sich die Mitgliedsstaaten auf den Aktionsplan eEurope 2002 ([ACTIONPLAN-2002])
(Dokumentennummer: keine)
25. September 2001
Die Europäische Kommission veröffentlicht die Kommunikation "eEurope 2002: Zugang zu öffentlichen Webseiten und deren Inhalten" ([PUBLIC])
(Dokumentennummer: COM(2001) 529)
21.-22. Juni 2002
Während des Ratstreffens in Sevilla wird der Aktionsplan eEurope 2005 gestartet ([ACTIONPLAN-2005]) has been launched
(Dokumentennummer: COM(2002) 263)
1. Juni 2005
Die Europäische Kommission started durch die Veröffentlichung der Kommunikation "i2010 - Eine europäische Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung" ([I-2010-COM]) eine fünfjährige Strategie zur Förderung der Wirtschaft
(Dokumentennummer: COM(2005) 229)
13. September 2005
Die Europäische Kommission veröffentlicht eine Kommunikation zum Thema "eAccessibility" ([EACC])
(Dokumentennummer: COM(2005) 425)

Die Initiative eEurope

Im Dezember 1999 wurde von der Europäischen Kommission eine Kommunikation über die Initiative eEurope ([EEUROPE]) veröffentlicht, mit dem Ziel, die Vorteile der Informationsgesellschaft für alle Europäer nutzbar zu machen. Es wurden die folgenden zehn Bereiche definiert, in denen Aktionen nötig sind:

  1. Europas Jugend ins digitale Zeitalter
  2. Billigerer Internetzugang
  3. Förderung des elektronischen Geschäftsverkehrs
  4. Schnelles Internet für Wissenschaftler und Studenten
  5. Intelligente Chipkarten für sicheren elektronischen Zugang
  6. Risikokapital für Hochtechnologie-KMU
  7. e-Teilnahme für Behinderte
  8. Gesundheitsfürsorge über das Netz
  9. Intelligenter Verkehr
  10. Regierung am Netz

Die Ziele der Aktivität 7 "e-Teilnahme für Behinderte" wurden folgendermaßen formuliert:

Der Aktionsplan eEurope 2002

Der Aktionsplan eEurope 2002 ([ACTIONPLAN-2002]) wurde vom Rat und der Europäischen Kommission für das Ratstreffen in Feira im Juni 2002 vorbereitet. Seine Intention ist es, dass die beim Ratstreffen in Lissabon gesetzten Ziele auch umgesetzt werden. Die 10 Bereiche, die ursprünglich identifiziert wurden, wurden überarbeitet und um drei Hauptziele gruppiert, die jeweils mehrere Teilziele umfassen:

  1. Billigeres, schnelleres und sicheres Internet
    1. Billigerer und schnellerer Internet-Zugang
    2. Schnelleres Internet für Forscher und Studenten
    3. Sichere Netze und intelligente Chipkarten
  2. Investitionen in Menschen und Fertigkeiten
    1. Europas Jugend ins Digitalzeitalter
    2. Arbeiten in der wissensgestützten Wirtschaft
    3. Teilnahme aller an der wissensgestützten Wirtschaft
  3. Förderung der Nutzung des Internet
    1. Förderung des elektronischen Geschäftsverkehrs
    2. Regierung am Netz: elektronischer Zugang zu öffentlichen Diensten
    3. Gesundheitsfürsorge über das Netz
    4. Digitaler Inhalt für globale Netze
    5. Intelligente Verkehrssysteme

Im Zusammenhang mit Web Accessibility ist vor allem das Teilziel "Teilnahme aller an der wissensgestützten Wirtschaft" von großer Bedeutung. Zur Erreichung dieses Ziels sieht der Aktionsplan die folgenden Aktivitäten vor:

Der Aktionsplan eEurope 2005

Der Europäische Rat von Barcelona forderte die Kommission im März 2002 auf, einen Aktionsplan eEurope aufzustellen, bei dem die Schwerpunkte darauf liegen, dass "bis 2005 in der gesamten Union Breitbandnetze in weitem Umfang verfügbar sind und genutzt werden und dass das Internet-Protokoll IPv6 verstärkt zur Anwendung gelangt [...] und auf der Sicherheit von Netzen und Information sowie auf eGovernment, eLearning, eHealth und eBusiness".

Als Ergebnis wurde der Aktionsplan eEurope 2005 ([ACTIONPLAN-2005]) veröffentlicht. Die Ziele des Aktionsplans können folgendermaßen zusammengefasst werden:

Bis 2005 sollte Europa verfügen über:

und, um dies alles zu ermöglichen, über

i2010 - Eine europäische Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung

Im Juni 2005 veröffentlichte die Europäische Kommission eine Kommunikation mit dem Namen "i2010 - Eine europäische Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung" ([I-2010-COM]), die eine Fünf-Jahres-Strategie zur Förderung der digitalen Wirtschaft enthält. Die Kommission schlägt für die europäische Politik im Bereich der Informationsgesellschaft und der Medien drei Prioritäten vor:

  1. Schaffung eines einheitlichen europäischen Informationsraums, der einem offenen und wettbewerbsfähigen Binnenmarkt im Bereich der Informationsgesellschaft und der Medien förderlich ist;
  2. Steigerung der Innovation und Investitionen in die IKT-Forschung, um das Wachstum und die Entstehung von mehr und besseren Arbeitsplätzen zu fördern;
  3. Aufbau einer integrativen europäischen Informationsgesellschaft, die Wachstum und Beschäftigung in einer Weise fördert, die mit einer nachhaltigen Entwicklung vereinbar ist, und die bessere öffentliche Dienste und die Lebensqualität in den Vordergrund stellt.

Unter der dritten Priorität plant die Kommission für das Jahr 2008 eine Europäische Initiative für digitalt Integration, die unter anderem folgende Aspekte behandeln soll:

Diese Maßnahmen werden durch aktives Monitoring, digitale Bildung und Forschung für zugängliche technologische Lösungen vorbereitet.

Richtlinien und Gesetze in verschiedenen Staaten / Gefahr der Fragmentierung

Einige Staaten haben bereits manche der von den Mitgliedsstaaten in den Aktionsplänen eEurope 2002 und 2005 geforderten Aktivitäten umgesetzt. Dies meisten Staaten haben beim Entwurf ihrer lokalen Richtlinien bzw. Gesetzen ([POLICIES]) auf den Web Content Accessibility Guidelines aufgebaut. Nichtsdestotrotz gab es verschiedene Ansätze und Implementierungsstrategien, aber auch verschiedene Interpretationen der vom W3C empfohlenen Richtlinien. Diese Tatsache hat bereits zu einer ersten Fragmentierung im Bereich Web Accessibility geführt - ein Problem, das Europa in den nächsten Jahren lösen muss.

Das Support-EAM Projekt hat einen möglichen Ansatz erarbeitet, wie das Problem durch die Entwicklung einer einheitlichen Evaluierungsmethode and die Implementierung eines Web Accessibility Gütesiegels auf europäischer Ebene bewältigt werden könnte. Diese Idee wird in Modul 4 näher präsentiert.

Selbstevaluierung

Frage 1

Wer erfand das World Wide Web?

Frage 2

Welche Rolle spielt das W3C im Zusammenhang mit Web Accessibility?
Was sind die Aktivitäten der WAI?

Frage 3

Welche wichtigen Dokumente hat die Europäische Kommission im Zusammenhang mit eAccessibility veröffentlicht? Was fordern diese Dokumente im Zusammenhang mit Web Accessibility und der Teilnahme von Menschen mit Behinderungen an der wissensbasierten Gesellschaft?

Frage 4

Warum gibt es im Kontext von Web Accessibility eine Gefahr der Fragmentierung in Europa?

Anhang

Referenzen

[ACTIONPLAN-2002]
Aktionsplan eEurope 2002, vorbereitet vom Rat und der Europäischen Kommission für das Ratstreffen in Feira, 19.-20. Juni 2000
veröffentlicht am 14. Juni 2000
Aktionsplan eEurope 2002 (PDF-Version)
[ACTIONPLAN-2005]
Aktionsplan eEurope 2005, präsentiert in Hinblick auf das Ratstreffen in Sevilla vom 21. und 22. Juni 2002
veröffentlicht am 28. Mai 2002
(Dokumentennummer: COM(2002) 263)
Aktionsplan eEurope 2005 (PDF-Version)
[CERN]
Europäische Organisation for Nukleare Forschung (Centre Européen pour la Recherche Nucleaire)
[EACC]
Kommunikation der Kommission betreffend eAccessibility
veröffentlicht am 13. September 2005
(Dokumentennummer: COM(2005) 425)
Kommunikation betreffend "eAccessibility" (PDF-Version)
Kommunikation betreffend "eAccessibility" (DOC-Version)
[EEUROPE]
"eEurope: Eine Informationsgesellschaft für Alle", Mitteilung über eine Initiative der Kommission für den Europäischen Sondergipfel von Lissabon am 23./24. März 2000
veröffentlicht am 8. Dezember 1999
(Dokumentennummer: COM(1999) 687)
eEurope: Eine Informationsgesellschaft für Alle
[EEUROPE-2002]
eEurope 2002: Eine Informationsgesellschaft für Alle
[EEUROPE-2005]
eEurope 2005: Eine Informationsgesellschaft für Alle
[EU]
Europäische Union
[I-2010]
i2010: Europäische Informationsgesellschaft 2010
[I-2010-COM]
Mitteilung der Kommission über die Initiative i2010
veröffentlicht am 1. Juni 2005
(Dokumentennummer: COM(2005) 229)
i2010 - Eine europäische Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung (DOC-Version)
[POLICIES]
Policies Relating to Web Accessibility - eine Zusammenfassung der WAI
[PUBLIC]
Mitteilung der Kommission betreffend des Zugangs zu öffentlichen Webseiten und deren Inhalten
veröffentlicht am 25. September 2001
(Dokumentennummer: COM(2001) 529)
"eEurope 2002: Zugang zu öffentlichen Webseiten und deren Inhalten" (PDF-Version)
[W3C]
World Wide Web Consortium
[WAI]
Web Accessibility Initiative
[WCAG-1.0]
Web Content Accessibility Guidelines 1.0
[WCAG-2.0]
Web Content Accessibility Guidelines 2.0 Arbeitsversion